zuletzt geändert am
15.04.2007

2003 - Erntepaar Braesicke

Aus dem Mitteilungsblatt der Stadt Lohmar

Bergischer Heimatverein Gemütlichkeit Oberschönrath e. V.

Zum Erntefest am 11. und 12. Oktober 2003 in Wickuhl lädt der Bergische Heimatverein herzlich ein. Im Mittelpunkt des Ernteballs am Samstag, dem 11. 10. (Beginn 19.30 Uhr) steht die Krönung unseres neuen Erntepaares. Anita und Rüdiger Braesicke aus Honrath übernehmen die Nachfolge des vorherigen Erntepaares Liesel und Heribert Domhöver. Das Ehepaar Braesicke hatte seine Zusage im vergangenen Jahr an eine Bedingung geknüpft: Der langjährige 1. Vorsitzende Günter Maylahn, der sich eigentlich nicht erneut zur Wahl stellen wollte, sollte seine Amtszeit verlängern. Und tatsächlich ließ er sich überreden.

Der Bergische Heimatverein stellt sein Erntepaar 2003/04 vor: Rüdiger Braesicke, geboren in Ostpreußen, wuchs in der Lüneburger Heide auf und zog mit 14 Jahren ins Rheinland. Er lebte zuerst im Oberbergischen, kam als kaufmännischer Angestellter im Außendienst in viele schöne Orte und Städte und entschied sich 1987 zusammen mit seiner Frau Anita, in Honrath ein Haus zu kaufen, wo die beiden sich wohl und heimisch fühlen. Rüdiger versteht es zweifelsohne, auf einer Bühne zu stehen und zu repräsentieren, denn er war im Jahre 1989 Prinz Karneval in Rösrath. Obwohl er inzwischen im Ruhestand ist, kommt keine Langeweile auf, frei nach dem Motto "wer nicht rastet, der rostet auch nicht". Eine wichtige Freizeitbeschäftigung ist es, den großen Garten zu hegen und zu pflegen.

Anita Braesicke, geboren in Glessen im Erftkreis, ist eine echte rheinische Frohnatur. Sie arbeitete als kaufmännische Angestellte, führte aber auch von 1977 bis 1983 eine Gaststätte in Hoffnungsthai. Viele ihrer damaligen Gäste erinnern sich gern an Anita als Wirtin. Es versteht sich von selbst, dass sie gern kocht und stets ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen hat. Für den Karneval hat sie auch ein großes Herz. Als langjähriges Mitglied der Närrischen Sülztaler war sie immer bereit, mitzuhelfen und mitzufeiern und so hält sie es auch im Bergischen Heimatverein. Da die Braesickes sehr reiselustig sind und schon viele Länder gesehen haben, begannen sie vor rund zwei Jahren, die englische Sprache zu erlernen. Im übrigen widmen sie einen Großteil ihrer Zeit ihren sechs Enkelkindern.

Der Bergische Heimatverein freut sich mit Anita und Rüdiger Braesicke (Foto) auf deren Amtszeit.



Beim Kränzen



Von Kappesbuuren und Waldbauern

Buntes Erntefest in Oberschönrath zog viele Besucher an - Großer Festzug

von GEORG GEIST

RÖSRATH/LOHMAR. 107 Jahre sind es her, dass sich die Bauern auf den "Rösrather Bergen" (heute Rösrather und Lohmarer Gebiet) zum Heimatverein Gemütlichkeit Oberschönrath zusammenschlossen.

Und noch immer feiern sie ihr traditionelles Erntefest mit Krönungsball und Erntezug unter großer Beteiligung der Bevölkerung. Auch in diesem Jahr gelang es dem Vorstand des Vereins mit Günther und Ursula Maylahn an der Spitze dem überkommenen Erntedankbrauchtum in schönster Weise gerecht zu werden, beginnend mit der Krönung des neuen Erntepaares mit Ernteball im mit Feldfrüchten dekorierten Wickuhler Festzelt.

Vor dem Krönungszeremoniell stand nach althergebrachtem Brauch das gemeinsam stehend gesungene Gotteslob für eine gute Ernte. Sodann folgte die von zwei Damen aus dem Publikum (Dagmar Happ und Maria Geist) vorgenommene Entkrönung des Vorjahr-Erntepaares Liesel und Heribert Domhöver, begleitet von viel Lob für ein "erfolgreich absolviertes Regierungsjahr", wie Zeremonienmeister Günther Maylahn es formulierte.

Begleitet von immer wieder gespendetem Beifall verfolgten sodann die zahlreichen Festgäste die Krönung des Nachfolgepaares Anita und Rüdiger Braesicke, deren Lebensmittelpunkt sowohl Rösrath als auch Lohmar ist (Rösrather Karnevalsprinz 1989 wohnhaft in Lohmar-Honrath). Seit Jahren sind sie Mitglieder des Heimatvereins. So nimmt es nicht Wunder, dass hier die Stadtoberhäupter Rösraths und Lobmars sowie der ev. Pfarrer von Honrath auf die Bühne gehen, um den Erntepaaren zu gratulieren.

Zum zweiten Höhepunkt des Oberschönrather Erntefestes wurde der sonntägliche Erntezug mit 25 Positionen rund um das Thema dörfliches Leben. Mehrfach waren die Mais-Labyrinthe das Motiv der TÜV-geprüften Wagen. Nur die Fußgruppe der Dorfgemeinschaft Menzlingen trug die Maisstauden vor sich her. Und auch die Bleifelder benötigten mit ihrem Bollerwagen keine TÜV-Plakette. Die Durbuscher verteilten ihren Schabau von einem besonders reich geschmückten Wagen aus, als Waldbauern kamen die Großbliersbacher daher und die Honrather als Kappesbuure. Der Heimat verbunden, erinnerten die Weilershohner an die Besenbinder früherer Zeiten.

Der Ernteverein Donrath hielt es auf seinem Wagen mit "Sauerkraut und Stampfkartoffeln" und der aus Heppenberg - dank der Sonne - mit exotischen Früchten. Auch die Wickuhler Gruppe zeigte sich dankbar für die Sonne, die ihren Mais sprießen ließ, während den Bauern aus Scheid schon der Samen genügte (Samenbank"). Die Reitgemeinschaft Meinenberg dachte ebenfalls gern zurück an den tropischen Sommer 2003 und empfahl: "Mit Bikini aufs Feld, Meinenbroich statt Ballermann". Die Fußheider hielten es mit ihrem Bio-Gemüse.

Der Frauenchor "Harmonie" Honrath bediente als "Spätlese" in Dur und Moll die vielen Zuschauer am Wegesrand mit edlen Schnäpsen, während der Männerchor des MGV Honrath gleich 11x11-jähriges Jubiläume feierte. - Einer der Heimatfreunde bezweifelte, ob das Brauchtum nach den strengen TÜV-Auflagen des RP noch zu retten sei.

Die Scheider Dorfgemeinschaft gedachte der verwaisten "Kleinen Kneipe" und erinnerte an den bei "Onkel Hugo" üblich gewesenen Gutenacht-Gruß: Tschüss zesamme, joode Naach un kutt jood heem!". Musikalisch begleitet wurde der Erntezug von den Tambourkorps Scheiderhöhe und Blau-Weiß Rösrath sowie dem Posaunenchor Weisel. Dahinter die weiße Kutsche, aus der das neue Erntepaar Anita und Rüdiger Brösicke den Kindern am Straßenrand Süßigkeiten zuwarfen und den Erwachsenen Hoffer Alter eingoss, "ganz so wie damals vor 14 Jahren, als ich Rösrather Karnevalsprinz war", freute sich Exprinz Rüdiger I.



Rhein-Sieg-Rundschau, Oktober 2003

Ernteverein legte RP in Ketten

TÜV-Stress war auch beim Festzug in Oberschönrath ein Thema

von PETER LORBER

LOHMAR. Günter Maylahn als langjähriger Vorsitzender des Bergischen Heimatvereins Oberschönrath war nicht nur ein viel beschäftigter Tausendsassa beim zweitägigen Erntefest des Vereins, etwa als Zugmanager, Moderator und Regisseur des Krönungsball. Er ist offenbar auch für viele Mitglieder ein Mann, ohne den man einfach nicht auskommen möchte. Das neue Erntepaar Anita und Rüdiger Braesicke jedenfalls hatte erst dann seine Zusage zur Regentschaft erklärt, nachdem auch Maylahn, der eigentlich nicht mehr kandidieren wollte, bereit war, das Brauchtumsruder erneut in die Hand zu nehmen.

Die Braesickes sind Honrather, wenngleich kein bergisches Blut in ihren Adern fließt. Der gebürtige Ostpreuße Rüdiger wuchs i n der Lüneburger Heide auf; mit 14 Jahren ging es dann ins Rheinland. Als Außendienstkaufmann sah er viele schöne Orte im Bergischen und entschied mit Ehefrau Anita - nach beider Bekunden - am .schönsten Fleckchen", nämlich in Honrath, ein Haus zu kaufen. Wie auch beim Erntefest wiederholt festzustellen war, versteht sich der Erntevater auf Bühnenauftritte, was auch auf seine Erfahrung als Rösrather Prinz 1989 zurückzuführen ist. Gattin Anita ist als geborene Glessenerin eine rheinische Frohnatur und wird vielen noch als freundliche Wirtin der Gaststätte "Berg Lüderich" in Hoffnungsthal bekannt sein. Da beide sehr reiselustig sind und viele Länder gesehen haben, begannen sie, Englisch zu erlernen. Einen Großteil ihrer Freizeit widmen sie ihren sechs Enkeln.

Die Zugthemen waren neben dem Erntedank auch dem TÜV gewidmet. So zogen die Bleifelder als wandelnde TUVPlaketten durchs Land, im Schlepptau ihre nicht abgenommenen Kindertrecker. Dem RP könnte Unheil drohen in Oberschönrath, war er doch symbolisch in Ketten gelegt mit der Feststellung: Ist das Brauchtum noch zu retten? Der RP legt es in Ketten!" "Kappes" bot der Erntewagenbauverein Honrath an, der von Anfang an, nämlich seit 21 Jahren, im Zug mitgeht. Die Bliersbacher feierten Schumi in ihrer Waldhütte, der Menzlinger Bürgerverein schickte einen "Bauern auf Abwegen" ins Maisfeld und der MGV "Eintracht" Honrath machte mit einem großen Plakat Werbung in eigener Sache für sein Konzert am 9. November.


Kölner Stadt Anzeiger /Rhein-Sieg-Journal 22/23.11.2003

Viel Freud', viel Ehr'

Anita und Rüdiger Braesicke sind im regionalen Brauchtum fest verwurzelt

Die Aktivitäten eines Erntepaars sind durchaus anspruchsvoll und werden auch mit reichlich gesellschaftlicher Anerkennung honoriert.

VON RALF JOHNEN

Lohmar - Dem rheinischen Brauchtum waren Anita und Rüdiger Braesicke eigentlich schon immer verbunden. Eine besondere Rolle spielt dabei das Jahr 1989, in dem der männliche Part des glücklichen Paares erstmals höchste folkloristische Würden erreichte, als er zum Karnevalsprinzen von Rösrath erkoren wurde. Inzwischen haben sich die Braesickes aus der aktiven Gestaltung der fünften Jahreszeit weitgehend zurückgezogen - was sie allerdings nicht davon abgehalten hat, abermals zu prominenten Würdenträgern hiesigen Brauchtums zu werden.

Angefangen hatte alles, als der heute 62-Jährige vor fünf Jahren seinen Job als Außenhandelskaufmann an den Nagel hängte, und sich auch seine Partnerin, die als Gastronomin selbständig und später beim Kölner Kaufhof beschäftigt war, für den Ruhestand entschied. "Durch die neu gewonnene Freizeit", so die Braesickes einvernehmlich, "hat sich dann vieles geändert." Automatisch haben sich die Kontakte zu den Nachbarn intensiviert - eine Entwicklung, die mit dem Beitritt zum Bergischen Heimatverein Oberschönrath begann und darin gipfelte, dass beide erneut im Mittelpunkt einer traditionsreichen Veranstaltung standen: Anita und Rüdiger Braesicke wurden zum Erntepaar 2003 gekürt.

Die eher in den ländlichen Gebieten gepflegte Tradition des Erntefestes schätzen beide Partner sehr. Nach anfänglichem Zögern ist es ihnen denn auch nicht schwer gefallen, die nötige Zeit zu investieren. Wie Anita Braesicke jedoch erklärt, galt es für die Zustimmung zur Krönung eine bestimmte Gegenleistung zu erbringen: "Wir wollten, dass unser geschätzter Vereinsvorsitzender, Günter Maylahn, der in diesem 70 Jahre alt geworden ist, nicht aus seinem Amt ausscheidet." Und weil bekanntlich eine Hand die andere wäscht, ließ auch dieser sich nicht lange bitten und hat für zwei weitere Jahre die Regentschaft des 240 Mitglieder zählenden Vereins übernommen.

Mit den zurückliegenden Monaten verbindet das unternehmungsfreudige Paar - beide lernen in ihrer Freizeit Englisch bei einem Privatlehrer und reisen gerne auf allen Kontinenten - viele positive Erinnerungen. "Nach der Nominierung", erklärt Anita Braesicke, "folgte am 2. Oktober zunächst die Umkränzung der Haustüre. Das haben die Nachbarn gemacht. "Neun Tage später hat das Paar zum Krönungsball 90 Gäste in den Saal des Peter-Lemmer-Hauses in Honrath geladen, um am kommenden Tag den großen Höhepunkt der Festlichkeiten zu erleben: Den Erntezug, einen der größten der Region.

Aus insgesamt 18 Wagen festlich dekorierten Wagen hat der Zug diesmal bestanden, sein Weg führte von Oberschönrath im Rheinisch-Bergischen-Kreis über Honrath bis ins kleine Dorf Wickuhl. Tausende Bürger auch aus den umliegenden Ortschaften säumten den Wegesrand, um den Erntezug auch diesmal wieder zu einem großen Volksfest werden lassen.

Am Ziel angekommen - das kleine Dorf wurde laut den Braesickes vor langer Zeit ausgewählt, weil es dort so viele Scheunen gibt, wo das ganze Material untergebracht werden konnte - wartete zu guter Letzt noch die Abschlussfeier im Festzelt. "Das Zelt", so Rüdiger Braesicke, "fasste gut 500 Leute. Gekommen aber waren wesentlich mehr, denn auch draußen an den Bierwagen standen überall Menschen." "Es war eine tolle Zeit", resümiert Erntekönigin Anita "Wie die Menschen hinter einem stehen, da fühlt man sich richtig in die Gemeinschaft aufgenommen." Und ihr Thronpartner ergänzt: "Man ist schon jemand im Dorf. Viele Leute sprechen uns drauf an." Die Erfahrung kann als einzigartig bezeichnet werden, denn eine Wiederwahl sehen die Statuten nicht vor. Bis sich die Braesickes jedoch wieder ausschließlich ihren vier Kindern, sechs Enkelkindern, den mittlerweile wieder ausgeübten Teilzeitjobs und ihren diversen Hobbys widmen können, warten noch repräsentative Pflichten. Ein Erntepaar nämlich gehört zu den (vorrübergehenden) Berühmtheiten der engeren Region, gerne sind Königin und König auch auf Schützenfesten sowie auf den Erntefesten der Nachbarschaft gesehen.





Haben für ihren Einsatz reichlich Früchte geerntet: Anita und Rüdiger Braesicke, das Erntepaar 2003.