zuletzt geändert am
15.02.2007


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D'r Hüschens Hein

überarbeitet von Uwe Heimbach


Die seinerzeitige Bauernschaft in Oberschönrath - im Volksmund "om Hüs'che" genannt - liegt auf einem Bergplateau des vorbergischen Landes an der Nahtstelle zwischen den Gemeinden Rösrath und Lohnrar. Die Landschaft, noch unberührt von industriellen Anlagen, vermittelt einen einmaligen Weitblick ins Mittelrheintal der Kölner Bucht. Bei Gutwetterlage ist die faszinierende Silhouette des Siebengebirges erkennbar.

In unmittelbarer Nähe war nun unser Heiner zu Hause. Er war durch Erstgeburt prädestiniert, die Bauernschaft später zu übernehmen. Verbunden war diese Hofwirtschaft mit Gastronomie und einer Krautpresse, einer Paasch, wie man hierzulande sagt.
Des Heiner Familienname hieß Lohmar, und das Bauerngeschlecht der Lohmars hatte über die Generationen hinweg die schwersten Zugochsen. So langsam, wie sich diese Bullen im Zaumzeug bewegten, so gemächlich waren die Zeiten hin noch bis kurz nach 1918.

In jenen ersten Jahren danach war ich als anreisender Gymnasiast aus der Boorejejend (Bauerngegend) Fahrschüler und somit zwangsläufig ein Schrecknis der Reichsbahnbediensteten seligen Andenkens. Daheim wurden wir nach Altväterweise morgens schon um 6.00 Uhr mit heißen Kartoffeln in Milch gespeist, dazu Klatschkäse und Apfelkraut, Krückchen genannt. Unsere lediglich mit purem Krückchen beschmierten - dicht an der voluminösen Mutterbrust geschnittenen - dicken Bauernbrotscheiben wurden in Zeitungspapier (wo gab's bei uns denn schon Butterbrotpapier!) eingewickelt. Das war also unser Frühstück, neun Jahre lang bis zum Abitur. Meist schon auf der Anfahrt in die Stadt der Domtürme wurde der Inhalt des Stullenpaketes gefuttert, alldieweil das sirupartige Kraut durch das Zeitungspapier zog und in der
Regel die Schulkladden verschmierte. Besagtes Apfelkraut hatte ich abwechselnd in Eimern auf den Hofschaften der näheren Umgebung im Fußmarsch von Volberg aus zu holen. Ziel waren die Bauernbetriebe, bei denen in der Saison - wie in der Zuckersaison - gepaascht wurde.

So kam ich eines Tages zum Hein, übergab ihm mein Eimerchen und sagte in gestelztem Hochdeutsch, wie es mir eingetrichtert worden war:
"Mutter läßt Ihnen bestellen, Sie möchten mir 10 Pfund Apfelkraut geben."
(Man muß dazu wissen, daß die einheimischen Bauern einkaufenden, unerfahrenen Städtern das billigere Birnenkraut als Apfelkraut verkauften.) Darauf der Hein zu seinem Vater: "He is de Jong vom Müllersch Elly (meine Mutter war eine geborene Elisabeth Blech aus der Volberger Mühle), er will zehn Pung (Pfund) Krükche han, wat soll ich ein drinn dunn?"

Ergänzend hierzu noch folgende Episode:
Die Gaststätte "Zum Häuschen" war von je her bekannt für reichhaltiges Essen.
Nach dem 1. Weltkrieg fanden in unserem Gemeindegebiet öfter Manöver statt. wie Offiziere machten dabei u.a. einen Anstandsbesuch beim Bürgermeister. Anschließend wurden sie zu einem Imbiß eingeladen. Folgender Dialog entspann sich dann beim Besuch im "Häuschen". Ein Gemeindebediensteter gab voller Stolz die Bestellung auf: "Bitte acht Schnittchen, aber nicht zuviel Kartoffelsalat." Die Wirtin erwiderte darauf dem Einheimischen: "Ihr seht wie die Kölsche. Ihr freßt uns et janze Fleesch fott und im Wünkter hamme nix mie zo esse he."


vor dem 1. Weltkrieg


nach dem 2. Weltkrieg