zuletzt geändert am
26.01.2007


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Beschreibung eines Erntezuges aus dem Jahr 1933

übernommen aus dem Festheft zum 100jährigen Bestehen des Vereins.


nach überlieferter Aufzeichnung

Am frühen Sonntagnachmittag, dem B. Oktober 1933, nahm der Zug von Oberschönrath seinen Ausgang über die Hohe Fuhr, Meinenbroich, Scheid, Muchensiefen und zurück nach Oberschönrath. Ihm folgte das Jungvolk und ein heimatliches Tambourcorps, als Vorreiter in Uniform "der treue Husar" (August Wielpütz aus Großenhecken). Anschließend die Ehrenreiter und der kunstvoll aufgebaute Wagen mit dem Heimatstamm, auf welchem die ältesten Bauern und Bäuerinnen in fröhlicher Stimmung Platz genommen hatten. Interessant war die nachfolgende Dorfscheune mit dem Flegeldrusch und den alten Dreschgeräten und der Vierspänner mit der Bauernhochzeit aus dem 17. Jahrhundert, wobei die Ziehharmonika ihre alten Tanzweisen erklingen ließ. Ferner fand die alte Bauernbackstube große Bewunderung, in welcher der Teig nach alter Art mit den Füßen geknetet wurde. Auf dem folgenden Wagen war ein Bauernmarkt sehr geschmackvoll aufgebaut, auf welchem Bäuerinnen in alter Tracht ihre Erzeugnisse feilboten.

Großes Gelächter löste die bergische Krautpresse mit ihren schalkhaften Aufschriften aus: das große Faß als "Molterkraut" (Anm.: Damals wurde noch in Naturalien abgerechnet), das kleine "für den Kunden". Im Mittelpunkt des Festzuges befand sich die Kutsche mit dem Ehrenpaar (inzwischen seit vielen Jahren Erntepaar genannt), begleitet von Ehrendamen, Jungvolk, Schnittern und Schnitterinnen. In alten deutschen Märschen ließ die Heimatkapelle des Forsbacher Musikvereins ihre Blasmusik über Berg und Tal erschallen. Der Wagen mit der alten Spinnstube aus Großmutters Zeit fand ebenfalls großen Beifall wie auch derjenige als Feld und Wald aufgebaute, auf dem hoch oben der alte Wildschütz hervorlugte.

Zwischendurch boten reiche Abwechslung ein Stierreiter als sehr seltene Erscheinung, ferner das Gespann eines alten Zugochsen mit altem Holzpflug, der alte Säemann, ein Ziegengespann und endlich eine bäuerliche Kunstreiterin zu Pferde. Mehrere Vierspänner waren zu beachten, darunter der Wagen "Nach Feierabend". Kurzum: Man hatte viel Historisches und Schönes mit großer Mühe zusammengetragen und aufgebaut zum Lob und Preis der fleißigen Hände.

Anschließend entwickelte sich in den Räumen des Gasthofes "Zum Häuschen", wo eine übergroße Menschenmenge sich eingefunden hatte, bei Kaffee, Bier und Wein ein gar buntscheckiges Leben. Der Festsaal war mit einer großen Erntekrone geschmückt, unter welcher das Ehrenpaar thronte. Entzückend war der erste Tanz, der der 75jährige, graubärtige Erntevater mit seiner Gattin, der Erntemutter, nach alter Art noch schneidig ausführte, umzingelt von dem Reigen der Schnitter und Schnitterinnen. Alt und jung blieben bei Musik und Tanz bis über Mitternacht zusammen, wobei die alten deutschen Tänze zur Geltung kamen.

Schlußwort:
Möge das Band des gemütlichen Beisammenseins und der Heimattreue die Vereinsmitglieder immer fester umschließen zum Segen für kommende Zeiten.


August Wielpütz aus Großenhecken, der jahrelang als "treuer Husar" den Erntezug zu Pferde anführte.