zuletzt geändert am
25.02.2007


vorheriger Bericht

nächster Bericht

Gründungsgeschichte

übernommen aus dem Festheft zum 100jährigen Bestehen des Vereins.


Wie es damals mancherorts geschah, legten auch die Brüder Müller Anfang 1894 in dem unterhalb Knipscherhof liegenden Waldsiefen einige Fischteiche an. Es wurden verschiedene Staudämme gebaut mit ziemlich viel Erdbewegung. Alle aus der Nachbarschaft, besonders auch die jungen Leute, interessierten sich für diese Anlage. Anfang Mai war die Arbeit im großen und ganzen beendet. Die Durchläufe der Dämme konnten geschlossen werden, so dass in wenigen Tagen die Teiche gefüllt waren und die Fischbrut eingesetzt werden konnte.

Nachdem alles gerichtet war, wurde der Ortsälteste, der Rentner Karl Linden, zugezogen zur Besichtigung. Dieser war des Lobes voll und überlegte mit den noch weiter hinzugekommenen Nachbarn, wie man ein Richtfest zustande bringen könnte. Das war schnell beschlossen. Herr Linden übernahm die Festleitung. Als Musikanten wurden die Brüder Robert Mackenbach vom nahe gelegenen Hof Gammersbach und Karl Mackenbach von Scheid herangezogen, die man ob ihrer guten Leistungen als ländliche Harmonika-Virtuosen ansprechen konnte. Robert Mackenbach feierte am 7. Mai seinen 27jährigen Geburtstag. Schnell überlegte man, beides, das Richtfest und die Geburtstagsfeier, die einen Tag vorverlegt werden musste, auf Sonntag, den 6. Mai 1894 zu vereinigen.

Einige Tische und Bänke wurden bei den Fischteichen provisorisch aufgebaut, ein Fässchen Bier aufgelegt und in die Böschung eingegraben, ferner einige Flaschen Kornbranntwein aus der Kupfersiefer Mühle herangeholt und kaltgestellt. Am Nachmittag fand sich die ganze Nachbarschaft ein. Alle hatten gute Stimmung mitgebracht. Bald war Jubel und Freude. Die Musik spielte auf, und zwischendurch wurde ein Liedchen angestimmt: "Dort unten in der Mühle" und andere einschlägige Lieder.

Bei diesem frohen Beisammensein wurde der Wunsch laut, ein solches Fest alljährlich ein- oder zweimal steigen zu lassen. Das wurde akzeptiert, und das war die Gründungsstunde der Gesellschaft Gemütlichkeit, wie man zuerst die Vereinigung nannte.

Bei der Gründung waren außer dem alten Herrn Linden, der als Leiter fungierte und zum Vorsitzenden bestimmt wurde, zugegen:
der oben genannte Geburtstagsjubilar Robert Mackenbach,
dessen Bruder Karl Mackenbach von Scheid,
die Brüder Müller von Knipscherhof: Karl, August und Max Müller,
Karl Weber und Gustav Lemmer, beide von Gammersbach,
ferner ist zu erwähnen Heinrich Lemmer von Oberlüghausen als Schwager der Gebrüder Mackenbach, der der Sache nahe stand nebst seinem Sohne Wilhelm Lemmer.

Alsbald meldeten sich die Mitglieder in folgender Reihenfolge: Franz Lindenberg, Scheid, Wilhelm Weber, Muchensiefen, Robert Lemmer, Rodderhof, Wilhelm Stöcker, Georgshof, die Brüder Heinrich, Karl und August Stöcker, Fußheide, und die späteren Vereinswirte von Oberschönrath: Franz Wilhelms und Heinrich Lohmar.

Als das Vereinslokal nach Oberschönrath gelegt wurde, wurde die Mitgliederzahl immer größer:
August Wielpütz, Großenhecken, Karl Lindenberg, Kupfersiefermühle, Heinrich Müller, Kupfersiefen, August Schöneshöfer, Rambrückermühle, Rektor Fuhrmann, Schönrath (Rösrath) - machte sich als Förderer sehr verdient.

Weiter kamen als Mitglieder hinzu:
Robert Wasser, Rambrücken, Wilhelm Lemmer, Rambrücken, Karl Steinsträßer, Siefen, Peter Weber, Siefen, Albert Bleifeld, Rösrath.

Als Karl Linden wegen Alters ausschied, wurde Karl Weber Vorsitzender. In Knipscherhof folgte auf Linden die Familie Hein.

Als Gönner ist noch zu nennen der alte Rentner Johann Wilhelm Clever auf Georgshof, der wegen seines Gesundheitszustandes den Festlichkeiten nicht beiwohnen konnte. Statt dessen wurde ihm manchmal ein Ständchen mit Musik dargebracht, worüber er sich sehr freute. Weiter waren dem Verein zugetan die Familie Scharrenbroich auf Georgshof und die Familie Hohn mit den Söhnen Wilhelm, Karl, Heinrich, Robert und Julius, ferner die Familien Haas und Wasser, Rodderhof.

Dies war der ursprüngliche Stand in den ersten Jahren. Um 1896 war die Sache so gewachsen, dass man der Behörde eine Satzung einreichte, damals immer noch als Gesellschaft Gemütlichkeit. Die Mitglieder aus diesen Jahren ruhen meist alle in kühler Erde. Nur die beiden Altgetreuen Albert Bleifeld und Peter Weber sind noch da.

Die Tagungen fanden abwechselnd in den Gastwirtschaften von Franz Wilhelms und Heinrich Lohmar auf Oberschönrath statt. Jeden Sommer wurde das Stiftungsfest gefeiert mit vorhergehender Volks- und Kinderbelustigung. 1895 wurde auf dem Hundsrück gefeiert, einem schönen Hochwald unterhalb Knipscherhof, nahe der Gammersbacher Mühle. Dabei wurde ein Preisschießen mit Flobertbüchsen veranstaltet, für die Jugend Stangenklettern, Sacklaufen und dergleichen, wobei jedes Kind einen Rollkuchen oder Wecken aus der Bäckerei von Wilhelm Ruhe bekam. Abends setzte sich der ganze Zug unter Vorantritt der Musikkapelle zum Vereinslokal, dem Tanzsaal von Heinrich Lohmar, in Bewegung, wo jung und alt ein Tänzchen machte, immer in echt alter Gemütlichkeit. 1896 wurde die Feier in ähnlicher Weise in den hohen Knipscher Tannen im Walde bei Kleinhecken-Dachskohl abgehalten. Der Wirt und Krautfabrikant Lohmar stellte ein Krautfass zur Verfügung, welches mit Wasser gefüllt durch Zugabe von Zucker und einigen Flaschen Himbeersirup ein herrliches Getränk darstellte, das besonders bei den Kindern reißenden Abgang fand.

In den späteren Jahren wurden die Volks- und Kinderbelustigungen auf einer Wiese in Oberschönrath abgehalten, wo man Tische und Bänke aufstellte und aufbaute. Im Mittelpunkt stand ein blanker Tannenstamm, hoch oben die Fahne tragend und darunter auf einem in den Baum gebauten Gestell eine Auslage von Spielsachen wie Taschenmesser oder Federhalter, Bleistifte u.s.w., die durch Klettern heruntergeholt werden mussten. Außerdem bekam jedes Kind, was zuschaute, einen frischgebackenen Wecken. Am Vorabend war die Festwiese von einigen Vereinsmitgliedern hergerichtet worden.

Abends ging es in Ballsaal, wo die alten bäuerlichen Tänze Walzer, Schottisch, Polka oder Rheinländer, Polka-Mazurka, Quadrille in Schwung waren. Bei völliger Dunkelheit, etwa gegen 10 bis 11 Uhr, wurde als Glanzpunkt des Abends die Polonaise in Gang gesetzt, zunächst unter Leitung des Tanzlehrers Hermann Haas aus Seelscheid, später unter Leitung des Tanzlehrers Heinrich Höngesberg aus Oberscheid.

Weiterer Werdegang: Der Rundgang der Polonaise bewegte sich vom Tanzsaal aus bei Feuerwerk und bengalischer Beleuchtung durch die Gartenanlagen bis wieder zum Tanzboden. Dies war immer etwas Herrliches. Man dachte und man denkt noch oft an die schönen Stunden bei der "Gemütlichkeit" auf Oberschönrath.

Schon mal kam auch der Rösrather Männergesangverein unter seinem Vorsitzenden Rottländer zu den Veranstaltungen des Vereins Gemütlichkeit, um einige passende Lieder zu Gehör zu bringen.

Außer dem Sommerfest wird an Fastnacht ein Winterfest abgehalten, das ebenso beliebt wie urgemütlich ist. Mögen die kommenden Geschlechter von diesen Sitten und Gebräuchen bis in fernste Zeiten zehren und die Fröhlichkeit und Gemütlichkeit der Alten aufrecht erhalten.

Stillschweigend hat die Gesellschaft Gemütlichkeit im Laufe der Jahre ihre Bezeichnung als Gesellschaft aufgegeben und dafür "Heimatverein Gemütlichkeit" setzen lassen. Das mag gut sein und der "Gemütlichkeit" und auch dem glanzvollen 60jährigen Bestehen weiter Glück und Erfolg bringen.

Jetzt noch einiges zum Orte Oberschönrath:

Der Stammort Schönrath, ein früherer Rittersitz, liegt im nahen Talgrund, wogegen sich Oberschönrath auf der Anhöhe erhebt, allerdings nur in zwei Häusern. Um 1800 befand sich auf Oberschönrath eine Heckschule oder auch Winterschule, wo der Schneidermeister Steinbach zur Winterzeit neben seinem Handwerk im selben Raum die Kinder der Nachbarhöhe unterrichtete. Daher liest man noch in alten Katasterkarten "Am Steinbachs Häuschen". Davon ist im Volksmund bis heute noch "am Häuschen" oder "auf dem Häuschen" verblieben.

Die Winterschule Oberschönrath war in Verbindung mit derjenigen in Boddert der Vorläufer der jetzigen Volksschule in Schlehecken-Großeigen. Zuerst war diese Schule in einem Saale in Schlehecken untergebracht, bis 1843 das Schulhaus Großeigen erbaut wurde.

Und jetzt zum Schlusse noch der Hinwies darauf, dass der Heimatverein seit vielen Jahren auch das Erntefest in sich schließt und daher die Erntefeier und den Erntezug zu arrangieren hat.


Nach alten Aufzeichnungen aus dem Jahre 1956, Verfasser leider unbekannt.