zuletzt geändert am
18.01.2007


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Zur Geschichte der Gründung
(aus einer alten Überlieferung):

übernommen aus dem Festheft zum 90jährigen Bestehen des Vereins.



Wie es damals mancherorts geschah, legten auch die Brüder Müller Anfang 1894 in dem unterhalb Knippscherhof gelegenen Waldsiefen einige Fischteiche an. In mühsamer Arbeit wurden einige Staudämme gebaut. Alle Nachbarn, besonders die jungen Leute, interessierten sich für diese Anlage. Anfang Mai war die Arbeit im großen und ganzen vollendet. Die Durchlässe der Dämme konnten geschlossen werden. Innerhalb weniger Tage waren die Teiche gefüllt, und die Fischbrut wurde eingesetzt.

Nachdem alles gerichtet war, wurde der Ortsälteste, der Rentner Karl Linden, zur Besichtigung gebeten. Dieser war des Lobes voll und überlegte zusammen mit den Nachbarn, wie man ein Richtfest veranstalten könnte. Der Vorschlag wurde begeistert aufgenommen. Herr Linden übernahm die Festleitung. Als Musikanten wurden die Brüder Robert Mackenbach vom nahe gelegenen Hof Gammersbach und Karl Mackenbach aus Scheid engagiert, die man ob ihrer guten Leistungen als ländliche Harmonika-Virtuosen bezeichnen konnte. Robert Mackenbach feierte am 7. Mai seinen 27. Geburtstag. So beschloss man, das Richtfest und die Geburtstagsfeier zusammen zu veranstalten. Man einigte sich auf Sonntag, den 6. Mai 1894. Bei den Fischteichen wurden Tische und Bänke aufgestellt, auch schaffte man ein Fässchen Bier heran, ferner aus der Kupfersiefer Mühle einige Flaschen Korn. Bald erklangen die Harmonikas. Man sang dazu "Dort unten in der Mühle" und andere damals beliebte Lieder, von denen sicher die meisten heutzutage längst vergessen sind.

Kein Wunder, dass allgemein der Wunsch laut wurde, ein solches Fest alljährlich ein- oder zweimal steigen zu lassen. Die Idee fand großen Anklang, man war sich einig. Dies war die Gründungsstunde der "Gesellschaft Gemütlichkeit".

Bei der Gründung waren außer Karl Linden, der als Leiter fungierte und zum Vorsitzenden bestimmt wurde, noch anwesend: die Musikanten Robert und Karl Mackenbach, die Brüder Karl, August und Max Müller vom Knippscherhof, Karl Weber und Gustav Lemmer aus Gammersbach, Heinrich Lemmer und sein Sohn Wilhelm aus Oberlüghausen.

Kurze Zeit später schlossen sich weitere Mitglieder an: Wilhelm Weber aus Muchensiefen, Robert Lemmer vom Rodderhof, Wilhelm Stöcker vom Georgshof sowie Karl, Heinrich und August Stöcker aus Fußheide. Aus Oberschönrath waren Heinrich Lohmar und Franz Wilhelms dabei, die beide dort Gastwirtschaften betrieben. So lag es nahe, die Treffen mal in der einen, mal in der anderen Wirtschaft abzuhalten. Immer mehr Mitglieder konnten gewonnen werden: August Wielpütz (Großenhecken), Karl Lindenberg (Kupfersiefer Mühle), Heinrich Müller (Kupfersiefen), August Schöneshöfer (Rambrücker Mühle), Robert Wasser (Rambrücken), Wilhelm Lemmer (Rambrücken), Karl Steinsträßer (Siefen), Peter Weber (Siefen), Albert Bleifeld (Rösrath) sowie Rektor Fuhrmann, der sich besonders um den Verein verdient machte.

Nach Karl Linden, der aus Altersgründen ausschied, übernahm Karl Weber das Amt des Vorsitzenden. Als Freunde und Gönner sind noch zu nennen die Familien Scharrenbroich (Georgshof), Wasser und Haas (Rodderhof) und Familie Hohn," weiter der alte Rentner Johann Wilhelm Clever, der - da er an den Rollstuhl gefesselt war - nicht an den Festen teilnehmen konnte. Man brachte ihm deshalb manchmal ein musikalisches Ständchen.

Im Jahre 1896 war die "Gesellschaft Gemütlichkeit" so gewachsen, dass man eine Satzung aufstellte und diese dem damaligen Bürgermeister Leyhausen in Volberg zur Beurkundung vorlegte. So geschehen am 6. November anno 1896. Bereits fünf Tage später - am 11. November 1896 - wurde die Satzung genehmigt. Heute mahlen die Mühlen der Bürokratie bedeutend langsamer.

Unter der Satzung befand sich das alte preußische Gemeindesiegel mit dem Reichsadler. Das derzeitige Siegel der Gemeinde Rösrath (mit dem bergischen Löwen und dem Jagdhorn, aus dem Jahre 1556) wurde erst um 1930 von Anton Jux im Archiv der Gemeinde Seelscheid entdeckt und vor 50 Jahren (1936) offiziell von der Gemeinde Rösrath übernommen.

Nachdem der Verein amtlich genehmigt war, wurden weiterhin die Treffen abwechselnd in den Gastwirtschaften Lohmar und Wilhelms in Oberschönrath abgehalten. Natürlich wurde auch gefeiert, so zum Beispiel jeden Sommer das Stiftungsfest. Damit auch die Kleinen nicht zu kurz kamen, gab es eine Kinderbelustigung mit Sackhüpfen, Stangenklettern und anderen Spielen und Wettkämpfen. Als Belohnung erhielten die Teilnehmer kleine Geschenke, wie Taschenmesser, Federhalter, Bleistifte und ähnliches. Zusätzlich gab es für jedes Kind einen frischgebackenen Wecken oder Rollkuchen aus der Bäckerei von Wilhelm Ruhe in Kleinhecken. Die Männer konnten ihre Geschicklichkeit beim Preisschießen unter Beweis stellen.

Solche Feste wurden entweder auf dem Hundsrück, einem Hochwald unterhalb vom Knippscherhof, oder in den Hohen Knippscher Tannen nahe Kleinhecken / Dachskuhl gefeiert. Später zog man dann zum "Häuschen", wo im Tanzsaal die Musik aufspielte und man sich bei Walzer, Schottisch, Polka, Rheinländer und Quadrille amüsierte. Als Höhepunkt des Abends wurde eine Polonaise veranstaltet. Die ganze Gesellschaft zog bei Feuerwerk und bengalischer Beleuchtung durch die Gartenanlagen und wieder zurück in den Ballsaal. Ab und zu gab es auch musikalische Vorträge des Männergesangvereins Rösrath.

Stillschweigend hat die "Gesellschaft Gemütlichkeit" ihre Bezeichnung "Gesellschaft" aufgegeben. Da es sich nicht um einen eingetragenen Verein (e.V.) handelt, erforderte die Namensänderung keine besonderen Formalitäten. Im Jahre 1976 nannte sich die alte Gemeinschaft "Heimatverein Gemütlichkeit Oberschönrath, und heute ist die offizielle Bezeichnung: "Bergischer Heimatverein Gemütlichkeit Oberschönrath".

Die Aktivitäten des Vereins erschöpften sich aber um die Jahrhundertwende und in späteren Jahren nicht darin, alljährlich ein Sommerfest zu veranstalten.

Auch in Wintertagen wollte man etwas zu feiern haben. So nahm man Karneval zum Anlass, ein "Winterfest" steigen zu lassen, und zwar jeweils am Fastnachtsdienstag im Saal des "Häuschen". Diese Veranstaltung hat sich bis in unsere Tage erhalten. Als der Tanzsaal nach vielen Jahren altersschwach und baufällig geworden war, zog man in den "Durbuscher Hof" und hielt dort Erntefeste und Fastnachtsbälle ab. Doch auch das war keine ideale Lösung, da der kleine Saal zu wenig Platz bot. Glücklicherweise hat der Heimatverein inzwischen die Möglichkeit, das Erntefest in einem Zelt neben der Gaststätte "Zum Häuschen" zu feiern. Dass diese Rückkehr an den Ort, wo der Verein seine Wurzeln hat, richtig und wichtig war, hat sich bald erwiesen. Die Zahl der Besucher unseres Ernteballs im Zelt zeigt eine erfreulich steigende Tendenz.

Doch zurück zur Chronik: Der Erste Weltkrieg, an dem viele Vereinsmitglieder teilnehmen mussten, ließ die Aktivitäten ruhen. In den zwanziger Jahren wurde das Vereinsleben wieder reger. Man veranstaltete jedes Jahr im Oktober das Erntefest mit dem Erntezug. Aus dem Jahre 1933 gibt es eine Schilderung des Erntezuges, die zeigt, dass sich eigentlich gar nicht so viel geändert hat im Vergleich zu den Erntezügen unserer Tage: "Am frühen Sonntagnachmittag nahm der Zug von Oberschönrath seinen Ausgang über die Hohe Fuhr, Meinenbruch, Scheid, Muchensiefen und zurück nach Oberschönrath. Ihm folgten das Jungvolk und ein heimatliches Tambourcorps, als Vorreiter der treue Husar in Uniform.. Anschließend die Ehrenreiter und der kunstvoll aufgebaute Wagen mit dem Heimatstamm, auf welchem die ältesten Bauern und Bäuerinnen in fröhlicher Stimmung platzgenommen hatten.

Interessant war die nachfolgende Scheune mit dem Flegeldrusch und den alten Dreschgeräten sowie der Vierspänner mit der Bauernhochzeit aus dem 17. Jahrhundert, wobei die Ziehharmonika ihre alten Tanzweisen erklingen ließ. Ferner fand die alte Bauernbackstube große Bewunderung, in welcher der Teig nach alter Art mit den Füßen geknetet wurde. Auf dem folgenden Wagen war ein Bauernmarkt sehr geschmackvoll aufgebaut, auf welchem Bäuerinnen in alter Tracht ihre Erzeugnisse feilboten.

Großes Gelächter löste die bergische Krautpresse mit ihren schalkhaften Fußaufschriften aus: das große Faß als Molterkraut (Zahlung in Naturalien), das kleine für den Kunden.

Im Mittelpunkt des Festzuges befand sich die Galakutsche mit dem Ehrenpaar, begleitet von Ehrendamen, Jungvolk, Schnittern und Schnitterinnen. In altdeutschen Märschen ließ die altbewährte Heimatkapelle des Forsbacher Musikvereins ihre Blasmusik über Berg und Tal erschallen.

Der Wagen mit der Spinnstube aus Großmutters Zeit fand ebenfalls großen Beifall wie auch derjenige als Feld und Wald mit Bäumen, Jagdtrophäen und Gatter mit lebendem Wild sehr geschickt aufgebaute, auf dem hoch oben der alte Wildschütz hervorlugte. Zwischendurch boten reiche Abwechslung ein Stierreiter als sehr seltene Erscheinung, ferner das Gespann eines Zugochsen mit altem Holzpflug, der alte Säer, ein Ziegengespann und endlich eine bäuerliche Kunstreiterin zu Pferde. Mehrere Vierspänner waren zu beachten, darunter der Wagen 'Nach Feierabend'. Kurzum: Man hatte viel Historisches und Schönes aufgebaut zum Lob und Preis der fleißigen Hände.

Anschließend entwickelte sich in den Räumen des Gasthofes ‚Zum Häuschen', wo eine übergroße Menschenmenge sich eingefunden hatte, bei Kaffee, Bier und Wein ein gar buntscheckiges Leben. Der Festsaal war mit einer großen Erntekrone geschmückt, unter welcher das Erntepaar thronte. Entzückend war der erste Tanz, den der 75jährige, graubärtige Erntevater mit seiner Gattin, der Erntemutter, nach alter Art noch schneidig ausführte, umzingelt von dem Reigen der Schnitter und Schnitterinnen. Alt und jung blieben bei Musik und Tanz bis über Mitternacht zusammen, wobei die alten deutschen Tänze zur Geltung kamen."

Viele der alten Bräuche haben sich bis in unsere Tage erhalten. Zwar war es früher mühsamer, über steinige, holprige Strassen zu ziehen mit nur einem PS vor dem Wagen. Heute sind die Straßen breiter und. ebener, und Traktoren mit vielen PS unter der Haube ersetzen die Pferde, die man nur noch selten im Erntezug findet. Aber immer noch werden von Vereinen und Dorfgemeinschaften in oft wochenlanger Kleinarbeit bunte, originelle Wagen gebaut. Neu am Erntefest ist allerdings seit einer Reihe von Jahren, dass der Ernteball mit Krönung des Erntepaares bereits am Samstagabend stattfindet. Am Sonntagmittag bildet dann ein blumengeschmücktes Cabriolet oder eine Pferdekutsche mit dem Erntepaar den glänzvollen Schlusspunkt des Erntezuges. So dekorativ eine Kutsche auch wirken mag, sie hat ihre Tücken: Daran erinnert sich das Erntepaar aus dem Jahr 1976, Karl und Käthe Müllenbach.

Als nämlich die Pferde durchgingen, mussten die beiden notgedrungen den größten Teil des Zugweges zu Fuß zurücklegen.

Seit dem Jahre 1975 läuft der Erntezug wie folgt ab: Aufstellung auf einer Wiese nahe dem "Häuschen", Abmarsch der Wagen, Fußgruppen, Tambourcorps und aller übrigen Teilnehmer gegen 13.30 Uhr in Richtung Hohe Fuhr, Hecken, Kreuzung Schlehecken und weiter nach Wickuhl. Aus der anfangs hier eingelegten "Pause" ist inzwischen der Höhepunkt des Erntefestes geworden. In Wickuhl gibt es nämlich noch echt bergische Gemütlichkeit und Gastlichkeit. Hier drängen sich viele hungrige, durstige, fröhliche Gäste an Bierpilz und Weinstand zwischen den alten Fachwerkhäusern. Auf der Terrasse am Hause der Familie Schauenberg wird das Erntepaar feierlich von Ehrengästen und Musikkapellen empfangen. In Wickuhl kommen alle, die sich amüsieren und für wenig Geld viel Spaß haben wollen, voll auf ihre Kosten. Ganz klar, dass die meisten Zugteilnehmer nicht zum Weiterziehen zu bewegen sind. Also war es die beste Lösung, den Erntezug hier enden zu lassen. Seit der Ernteball im großen Festzelt neben dem "Häuschen" stattfindet, wird dort am Sonntagabend noch ein beschwingter Ausklang mit dem Erntepaar bei Musik und Tanz gefeiert.

Der Berichterstatter der "Bergischen Landeszeitung" schrieb in seiner Reportage über den Erntezug 1985 unter anderem:
"Die Bauern, Hobbylandwirte und Gartenbesitzer von den 'Rösrather Bergen', wie diese Gegend auch oft genannt wird, machen seit altersher keinen Unterschied zwischen den Gemeinden diesseits und jenseits der Kreisgrenze.
Entscheidend ist hier die Einheitlichkeit der Landschaft mit ihren Bergen und Siefen. So waren es ja auch Fischteiche in den unterhalb der von Knippscherhof gelegenen Waldtälern, deren Einweihung 1894 Anlass zur Gründung des Bergischen Heimatvereins 'Gemütlichkeit' Oberschönrath war."

Erfreuliche Bilanz nach 90 Jahren Heimatverein: Die Zahl der Erntewagen wird von Jahr zu Jahr größer, so dass oft die Spitze des Erntezuges fast schon die Kreuzung erreicht hat, während der letzte Wagen langsam die Hohe Fuhr herunterfährt. Erfreulich auch die stetig steigende Mitgliederzahl: Waren es zum 80jährigen Jubiläum ca. 100 Mitglieder, so können wir heute mit Stolz vermelden, dass unsere Mitgliederschar auf 155 angewachsen ist. Wir können also getrost und mit viel Optimismus in ein neues Jahrzehnt des Vereinslebens starten in der Hoffnung, dass uns unsere Mitglieder die Treue halten und immer neue Freunde hinzugewonnen werden

Den Bewohnern der beiden benachbarten Gemeinden Lohmar und Rösrath möchten wir deshalb zurufen: "Schaut mal herein - bei unseren Festen und Veranstaltungen! Macht mit beim Erntezug! Bei uns wird - getreu dem Namen des Vereins - Gemütlichkeit großgeschrieben." Eine Strophe aus dem 1896 von Karl Linden gedichteten Festlied drückt zwar etwas altmodisch, aber doch treffend aus, was auch wir ausrufen wollen:

"Verzage nicht Gemütlichkeit,
der dir mußt fliehen Haß und Neid.
Drum füllt das Glas bis an den Rand
und trinkt auf unser Bergeland".