zuletzt geändert am
18.01.2007


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Chronik, geschrieben 1976

übernommen aus dem Festheft zum 80jährigen Bestehen des Vereins.



Durch das große Interesse verschiedener Vereinsmitglieder wurden im Laufe der vergangenen 8o Jahre diverse Unterlagen aus der Vereinsgeschichte aufbewahrt.
Wir können heute auf ein interessantes kleines Archiv und recht gute alte Fotos zurückgreifen. Das alles soll in Zukunft noch erweitert und ausgebaut werden. Anfänge sind bereits gemacht:

Zur Zeit der Vereinsgründung war es damals an vielen Orten in der Umgebung üblich, Fischteiche anzulegen. Die Brüder Müller legten im Anfang des Jahres 1894 in den unterhalb von Knippscherhof gelegenen Waldtälern (Siefen) einige Fischteiche an. Es wurden verschiedene Staudämme gebaut. Viel Erde mußte bewegt werden. Alle Nachbarn, besonders aber die jungen Leute, interessierten sich für diese Anlagen. Im Mai 1894 war die Arbeit fast beendet. Die Durchlässe der Dämme konnten geschlossen werden. In wenigen Tagen waren die Teiche gefüllt. Dann wurde die Fischbrut eingesetzt. Nachdem die Arbeiten beendet waren, wurde der "Ortsälteste", der Rentner Karl Linden zur Besichtigung gebeten. Herr Linden lobte die Arbeit und überlegte mit den Nachbarn, wie man die Sache gebührend feiern könne.

Alles ging dann ziemlich schnell: Herr Linden übernahm die Leitung des Festes. Musikanten wurden bestellt. Die Brüder Mackenbach, die vorzüglich "Quetschebüggel" spielten, wurden engagiert. Zudem feierte Robert Mackenbach am 7. Mai seinen 27.Geburtstag. Einige Tische und Bänke wurden bei den neuen Fischteichen aufgebaut. Ein Faß Bier wurde auch besorgt und aus Zwecken der Kühlung in die Waldböschung eingegraben (Stangeneis war damals städtischer Luxus und Kühlschränke gab es ja noch nicht). Zur Geschmacksverbesserung wurden einige Flaschen Korn aus der Kupfersiefer Mühle geholt.
Nachmittags erschien die Nachbarschaft auf dem Festgelände. Die Musik spielte auf, die Stimmung stieg und zwischendurch tanzte man und sang alte Lieder, die heute kaum noch jemand kennt.
Als am späten Abend die letzten Besucher das Fest verließen, war man mit dem Verlauf sehr zufrieden. Der Wunsch wurde laut, so ein Fest jährlich zu wiederholen. Das wurde auch von der Nachbarschaft voll akzeptiert. Der Grundstein zur "Gesellschaft Gemütlichkeit" war gelegt.

Bei der Gründung waren außer dem alten Herrn Linden, der als Leiter fungierte und gleichzeitig zum Vorsitzenden bestimmt wurde, noch mehrere Personen zugegen:
Karl, August und Max Müller (Knippscherhof), Robert Mackenbach (Gammersbach), Karl Mackenbach (Scheid), Karl Weber (Gammersbach), Gustav Lemmer (Gammersbach), Heinrich und Wilhelm Lemmer,(Oberlüghausen).
Schnell schlossen sich weitere Mitglieder an: Wilhelm Weber (Muchensiefen), Robert Lemmer (Rodderhof), Wilhelm Stöcker (Georgshof), Karl, Heinrich und August Stöcker (Fußheide).
Die späteren Vereinswirte, Franz Wilms und Heinrich Lohmar, waren mit dabei. Der Verein erhielt immer größeren Zulauf. So wurde beschlossen, die Treffen nach Oberschönrath in die Lokale Wilhelms und Lemmer zu verlegen. Dadurch wurden noch mehr Mitglieder gewonnen:
August Wielpütz (Großenhecken), Karl Lindenberg (Kupfersiefer Mühle), Heinrich Müller (Kupfersiefen), August Schöneshofer (Rambrücker Mühle), Robert Wasser (Rambrücken), Wilhelm Lemmer (Rambrücken), Karl Steinsträßer (Siefen), Peter Weber (Siefen), Albert Bleifeld (Rösrath). Rektor Fuhrmann machte sich in dieser Zeit um den Verein verdient.

Als Karl Linden wegen seines hohen Alters sein Amt als Vorsitzender niederlegte, übernahm es Karl Weber. Im Laufe der Zeit pflegten viele Familien aus der Nachbarschaft engen Kontakt zum Verein. Besonders zu nennen sind die Familien Scharrenbroich (Georgshof), Wasser und Haas (Rodderhof) und die Familie Hohn mit ihren Söhnen Wilhelm, Karl, Heinrich, Robert und Julius.

Der alte Rentner Johann Wilhelm Clever (Georgshof) konnte an den Festen aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen; deshalb wurde ihm manchmal ein musikalisches Ständchen gebracht.

Im Jahre 1896 war der Verein so gewachsen, dass man dem damaligen Bürgermeister Leyhausen im Bürgermeisteramt Rösrath in Volberg am 6. November 1896 die "Statuten" der "Gesellschaft Gemütlichkeit" zur Beurkundung vorlegte. Bereits am 11. November (also 5 Tage später) wurde die Satzung genehmigt. Heute würde alles wohl etwas länger dauern.

Herr Linden vom Knippscherhof verfasste ein Festlied und dichtete den Text zur Melodie "Die Wacht am Rhein".

Der patriotische und teilweise rührende Text muss aus der Zeit heraus verstanden werden. Das Zeitalter Bismarks (Krieg 187o/1871, Gründerjahre, etc.) ging seinem Ende zu, und Deutschland hatte gerade eisen neuen jungen Kaiser, der viel Wert auf Hurra-Patriotismus legte (Wilhelm II.).


Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass es sich bei dem Siegel um das alte preußische Gemeindesiegel mit dem Reichsadler handelt. Das derzeitige Siegel der Gemeinde Rösrath (aus dem Jahre 1556 mit dem bergischen Löwen und dem Jagdhorn) wurde erst um 193o von Anton Jux im Archiv der Gemeinde Seelscheid entdeckt und vor 4o Jahren (1936) offiziell von der Gemeinde Rösrath übernommen.

Nachdem der Verein amtlich genehmigt war, wurde weiterhin regelmäßig gefeiert. Die Treffen fanden abwechselnd in den Gastwirtschaften von Franz Wilhelms und Heinrich Lohmar in Oberschönrath statt. Jeden Sommer wurde ein Stiftungsfest gefeiert. Kinder und Erwachsene konnten sich amüsieren. Bereits im Jahre 1895 wurde auf dem "Hunsrück", einem schönen Hochwald unterhalb von Knippscherhof, gefeiert. Dabei wurde ein Preisschießen veranstaltet. Für die Jugend gab es verschiedene Möglichkeiten, um Preise zu gewinnen: Stangenklettern, Sackhüpfen und vieles mehr.

Jedes Kind erhielt einen Rollkuchen oder Wecken aus der Bäckerei von Wilhelm Ruhe in Kleinhecken. Abends setzte sich dann ein bunter Zug von Teilnehmern unter Vorantritt der Musikkapelle in Bewegung. Man marschierte zum Vereinslokal von Heinrich Lohmar, wo dann im einzigen Tanzsaal Oberschönraths das Tanzbein geschwungen wurde. Im Jahre 1896 wurde die Feier ähnlich gestaltet. Der Vereinswirt Lohmar, der auch Apfelkraut herstellte, überraschte die Kinder mit einem Krautfaß voller Himbeersaft.

In späteren Jahren wurden die Belustigungen auf einer Wiese in Oberschönrath abgehalten. Dort stellte man Tische und Bänke auf. Den Mittelpunkt des Festplatzes bildete ein blanker Tannenstamm, von dem die guten Kletterer der Gemeinde dann Taschenmesser, Federhalter, Bleistifte, usw. herunterholen mussten. Alle zuschauenden Kinder erhielten einen frischgebackenen Wecken. Abends zog man dann wieder in den Saal vom "Häuschen". Dort spielte die Kapelle die alten Bauerntänze; Walzer, Rheinländer, Polka, Mazurka, Quadrille und einen Tanz, den man hier einfach "Schottisch links rum" nannte.

Bei völliger Dunkelheit, etwa zwischen 22 und 23 Uhr wurde als Höhepunkt des Abends die Polonaise veranstaltet. Unter fachkundiger Leitung eines Tanzlehrers tanzte man durch die Gartenanlagen bei Feuerwerk und bengalischer Beleuchtung.

Stillschweigend hat die "Gesellschaft Gemütlichkeit" im Laufe der Jahre ihre Bezeichnung "Gesellschaft" aufgegeben.
Im Jahre 1976 nennt sich die alte Gemeinschaft "Heimatverein Gemütlichkeit Oberschönrath".
Die Änderung des Namens ging ohne juristische Schwierigkeiten vor sich, denn es hat sich ja nie um einen "eingetragenen Verein (e.V.)" gehandelt.

Der Verein hat im Jahre 1976 ca. 100 Mitglieder, die fast alle in den Gemeinden Rösrath und Lohmar wohnen. 40 Jahre lang hat Karl Hein den Verein geleitet. Ihm folgten Christian Kurth (Schnellhaus) und Willi Stollwerk (Hagerhof).

Die Aktivitäten des Vereins erschöpften sich aber nicht nur in der Abhaltung des Sommerfestes. Karneval wurde und wird ein "Winterfest" abgehalten. Es erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und findet in jedem Jahre am Karnevalsdienstag im "Häuschen" statt.

Der 1. Weltkrieg, an dem viele Vereinsmitglieder teilnehmen mussten, ließ die Aktivitäten ruhen. In den Jahren nach 1920 wurde das Vereinsleben wieder reger. Der Heimatverein übernahm auch die Funktion eines Erntevereins. Er arrangierte den Erntezug und die Erntefeier. Das ist bis zum heutigen Tage so geblieben.

Das Erntefest des Heimatvereins findet an jedem 2.Wochenende im Oktober statt.

Wir besitzen eine Aufzeichnung des Erntezuges aus dem Jahre 1933. Das Fest wird dort wie folgt geschildert: Am frühen Sonntagnachmittag den B. Oktober nahm der Zug von Oberschönrath seinen Ausgang über die Hohe Fuhr, Meinenbruch, Scheid, Muchensiefen (Scheiderhöhe) und zurück nach Oberschönrath. Ihm folgte das Jungvolk und ein heimatlicher Tambourkorps, als Vorreiter in Uniform "der treue Husar". Anschließend die Ehrenreiter und der kunstvoll aufgebaute Wagen mit dem Heimatstamm, auf welchem die ältesten Bauern und Bäuerinnen in fröhlicher Stimmung Platz genommen hatten. Interessant war die nachfolgende Dorfscheune mit dem Flegeldrusch und den alten Dreschgeräten und der Vierspänner mit der Bauernhochzeit aus dem 17. Jahrhundert, wobei die Ziehharmonika ihre alten Tanzweisen erklingen ließ. Ferner fand die alte Bauernbackstube große Bewunderung, in welcher der Teig nach alter Art mit den Füßen geknetet wurde. Auf dem folgenden Wagen war ein Bauernmarkt sehr geschmackvoll aufgebaut, auf welchem Bäuerinnen in alter Tracht ihre Erzeugnisse feilboten.

Großes Gelächter löste die bergische Krautpresse mit ihren schalkhaften Fußaufschriften aus:
das große Faß als "Molterkaut" (Zahlung in Naturalien), das kleine "für den Kunden".
Im Mittelpunkt des Festzuges befand sich die Galakutsche mit dem Ehrenpaar, begleitet von Ehrendamen, Jungvolk, Schnittern und Schnitterinnen. In altdeutschen Märschen ließ die altbewährte Heimatkapelle des Forsbacher Musikvereins ihre Blasmusik über Berg und Tal erschallen.

Der Wagen mit der alten Spinnstube aus Großmutters Zeit fand ebenfalls großen Beifall wie auch derjenige als Feld und Wald mit Bäumen, Jagdtrophäen und Gatter mit lebendem Wild sehr geschickt aufgebaute, auf dem hoch oben der alte Wildschütz hervorlugte. Zwischendurch boten reiche Abwechslung ein Stierreiter als sehr seltene Erscheinung, ferner das Gespann eines Zugochsen mit altem Holzpflug, der alte Säer, ein Ziegengespann und endlich eine bäuerliche Kunstreiterin zu Pferde. Mehrere Vierspänner waren zu beachten, darunter der Wagen "Nach Feierabend". Kurzum: man hatte viel Historisches und Schönes aufgebaut zum Lob und Preis der fleißigen Hände.

Anschließend entwickelte sich in den Räumen des Gasthofes "Zum Häuschen", wo eine übergroße Menschenmenge sich eingefunden hatte, bei Kaffee, Bier und Wein ein gar buntscheckiges Leben.

Der Festsaal war mit einer großen Erntekrone geschmückt, unter welcher das Ehrenpaar thronte. Entzückend war der erste Tanz, den der 75-jährige,graubärtige Erntevater mit seiner Gattin, der Erntemutter, nach alter Art noch schneidig ausführte, umzingelt von dem Reigen der Schnitter und Schnitterinnen. Alt und jung blieben bei Musik und Tanz bis über Mitternacht beisammen, wobei die alten deutschen Tänze zur Geltung kamen.

Im Jahre 197o schrieb der Reporter der Rhein-Sieg-Rundschau am 14. Oktober:
Der Zug selbst war - wie in den Vorjahren - mit großem Idealismus und viel Liebe zusammengestellt worden.
17 Erntewagen und zahlreiche Fußgruppen bewegten sich bei spätsommerlichem Wetter über die von vielen hundert Zuschauern gesäumte Landstraße. Die Wagenbesatzungen warfen "Kamelle" und "Strüßje" und verkauften heiße Würstchen.
Die Tambourkorps aus Scheiderhöhe und Rösrath sowie der Musikverein Rösrath sorgten für die musikalischen Leckerbissen.
Auch ein Diplomat der afrikanischen Republik Elfenbeinküste, Angehöriger der Botschaft, die in Durbusch ihren Sitz hat, staunte über den Erntezug.

Dem aufmerksamen Betrachter entgingen natürlich nicht die aktuellen Anliegen, die zum Beispiel hießen: "Me hängen alles an de Nagel" oder "An Gottes Segen ist alles gelegen - me sen och für die kleine Knollen dankbar". Ebenfalls auf die Ernte bezogen, stellte eine andere Wagenbesatzung fest: "Sich regen bringt Erntesegen -- Öbwohl schon Menschen auf dem Mond, bleibt der Bauer von seiner Arbeit nicht verschont". Es gab auch einen Rückblick auf die "Planwirtschaft 187o".
Dass am Fuße des Bergischen Landes keine Kinder von Traurigkeit wohnen, dokumentierte die Aufschrift eines Wagens: "Wo's Mühlrad sich dreht, Frohsinn besteht".

Im Laufe der vergangenen 8o Jahre hat sich enorm viel in unserer Gegend verändert.
Auch der Erntezug geht nicht mehr über die schmalen, dreckigen und steinigen bergischen Straßen. Alle Straßen wurden verbreitert und geteert. Wesentliches hat sich aber am Zugablauf und in der Veranstaltung nicht geändert. Nach wie vor bauen die einzelnen Ortschaften ihre Erntewagen selbst in eigener Regie.

Im "Häuschen" (jetzt unter Führung der Familie Lüghausen-Tillmann) findet wie in alter Zeit
der Ernteball statt. Das Erntepaar eröffnet mit einem zünftigen Ehrentanz den gemütlichen Teil des Abends.

Nach der Umgestaltung des "Häuschen" tanzt man nicht mehr im alten Tanzsaal. Ende der 60ger Jahre war es nicht mehr möglich, die Veranstaltungen im Saal über der Gastwirtschaft durchzuführen.
Durch die vielen Veranstaltungen war der alte Holzboden so strapaziert worden, dass vor Festen erst einmal eine Sicherung und Abstützung der Fachwerkbalken in dem zu ebener Erde liegenden Kuhstall stattfinden musste. Es hätte sonst die Gefahr bestanden, dass die Festgesellschaft beim Tanzen mitsamt der Kapelle zwischen die Kühe gefallen wäre.

Während der Umbauzeit in Oberschönrath wich man nach Durbusch aus. Einige Male wurde auch in Oberschönrath ein großes, aber teures Festzelt aufgebaut. Auch in den Festzelten herrschte die bekanntlich sehr gute Erntefeststimmung.

Der musikalische Teil, den früher ein Blasorchester übernommen hatte, wird jetzt durch eine "moderne" Kapelle gestaltet, die mit sämtlichen technischen Raffinessen ausgerüstet ist.

Im vorigen Jahr (1975) wurde erstmalig nach vielen Jahren eine Änderung des Zugweges vorgenommen. Der lange und weite Weg über Scheid und Muchensiefen wurde verkürzt.
In diesem Jahr verlässt der Erntezug gegen 13 Uhr den Festplatz in Oberschönrath und zieht über die Landstraße in Richtung Knippscherhof - Hohe Fuhr - Broich - Kreuzstraße bis Schlehecken und von dort nach Wickuhl. In der Mitte des Dorfes findet eine längere Pause statt.
Man kann sich, unterstützt von fleißigen Musikkapellen und lieben Nachbarn bei Würstchen, Kölsch und Korn und verschiedenen anderen Leckereien erfrischen.
Nach der Pause formiert sich der Zug wieder und zieht über Schnellhaus und die Landstraße zurück nach Oberschönrath.
Am Abend geht es dann im "Häuschen" bei Musik und Tanz mit dem Erntepaar und vielen Gästen weiter.